Proteste gegen Naziaufmarsch in Tuttlingen

Bericht über die Proteste gegen den Naziaufmarsch am 12.Juni in Tuttlingen.

Lediglich 23 Faschisten beteiligten sich am lang angekündigte Aufmarsch von „Nein zum Heim SBH“ am Sonntag, den 12. Juni, in Tuttlingen. Dagegen gab es vielseitige Aktionen, 150 AntifaschistInnen protestierten entschlossen rund um den Versammlungsort der Nazis. Unter dem Motto „Tuttlingen ist Bunt“ versammelten sich zudem etwa 500 Menschen einige Ecken weiter.

Am Sonntag ist es dem Kreis hinter „Nein zum Heim SBH“ nicht gelungen Unterstützer nach Tuttlingen zu mobilisieren. Nach dem Aufmarsch in VS-Villingen am 12. März, bei welchem noch knapp 40 Personen teilnahmen, standen die Organisatoren dieses mal alleine auf dem Tuttlinger Marktplatz.

Nach der Ankündigung lange im Voraus und der angeblichen großflächigen Flugblattverteilung sagte „Nein zum Heim SBH“ zwar den eigentlich geplanten „Nachmittagsspaziergang“ ab, an der angemeldeten Teilnehmerzahl von 200 Personen hielten sie jedoch fest.

Wurden die vorausgegangenen Kundgebungen noch gemeinsam von Mitglieder des NPD Kreisverbandes Konstanz-Bodensee, Faschisten der Partei „Der dritte Weg“ und ehemaligen SBH-Gida Leuten organisiert, fehlten am letzten Sonntag die Üblichen wie Sabrina Grellmann, Kay Vogler sowie „Der dritte Weg“. Ebenfalls nicht anwesend war das Führungsmitglied der Freien Kräfte SBH Ralph Kästner aus St. Georgen.

Hinter der Aktion am 12. Juni stand maßgeblich der NPD Kreisverband Konstanz-Bodensee um Tim Belz. Als Anmelder fungierte Karl Leiber aus Gottmadingen. Im Vorfeld kooperierten die Organisatoren eng mit der Polizei und ließen ihren öffentlich angekündigten Parkplatz von dieser bewachen. Ihr wenige hundert Meter langer Weg zum Marktplatz war komplett mit Gittern abgeriegelt.

Die Polizei war frühzeitig mit einem großem Aufgebot vor Ort, Einheiten waren in der gesamten Stadt verteilt. Am Bahnhof wurden ankommende AntifaschistInnen von der Polizei erwartet. Im Einsatz waren auch Einheiten der BFE.

Die Antifaschistische Aktion [O] Villingen-Schwenningen rief dazu auf den Faschisten in Tuttlingen entgegen zu treten und mit einem vielfältigen Widerstand zu konfrontieren.

Die gemeinsame Anreise aus Villingen mit dem Zug wurde die gesamte Zeit von der Polizei begleitet, durchgängig auch von mehreren Zivilbeamten.

In Tuttlingen formierten sich AntifaschistInnen immer wieder zu spontanen Demonstrationen durch die Innenstadt. Lautstarke Proteste gab es an den verschiedenen Zugängen zum Marktplatz gegen welche die Polizei auch Pfefferspray einsetze. Vereinzelt flogen dabei Flaschen und Pyrotechnik in Richtung der Faschisten.

Im Verlauf der Gegenaktionen kam es dabei zu vier vorübergehenden Ingewahrsamnahmen und mehreren Platzverweisen.

Die eingesetzte Polizei ermöglichte den gerade einmal 23 Faschisten einen nahezu reibungslosen Ablauf ihrer beinahe zweistündigen Kundgebung.

Die Handlungsmöglichkeiten für direkte antifaschistische Aktionen waren am Sonntag in Tuttlingen aufgrund der engen räumlichen Gegebenheiten und der großen Anzahl von Polizisten eingeschränkt.

Dies zeigt einmal mehr wie wichtig antifaschistische Organisierung und kontinuierliche Arbeit im antifaschistischen Teilbereich ist. Denn abseits von Aufmärschen und Aktionen, bei denen die Faschisten Ort und Zeit bestimmen und die Polizei die Rahmenbedingungen schafft, gibt es unzählige Möglichkeiten auf verschiedenen Ebenen gegen rechte Hetze und Faschisten zu intervenieren.

Die Antifaschistische Aktion aufbauen – solidarisch & konsequent