9. NOVEMBER: ANTIFASCHISTISCHE GEDENKKUNDGEBUNG AN DIE POGROMNACHT 1938

Am Abend des 9. November stürmten gut organisierte SA- und SS-Truppen hunderte Synagogen, tausende Geschäfte und Wohnungen jüdischer Menschen. Der braune Mob verwüstete und Brandschatzte. Tausende wurden von SA, SS und Gestapo verhaftet, über 100 Menschen wurden bei diesen Pogromen ermordet.
Der Terror gegen die jüdische Bevölkerung, der mit der Machtübertragung an die
Faschisten 1933 begonnen hatte, fand damit einen ersten Höhepunkt: Jüd:innen wurden ihres
Besitzes beraubt, zur Auswanderung gezwungen, in den Selbstmord getrieben, in Konzentrationslager verschleppt und letztendlich in den Gaskammern ermordet.
So auch in Villingen: SA, SS und “Otto Normalbürger“ stürmten die jüdischen Gebetsräume in der Gerberstr. 33, misshandelten den Hausbesitzer Hugo Schwarz und setzten das Haus in Brand. Zwischen 1933 und 1940 konnten 42 der 75 in Villingen lebenden Jüd:innen fliehen, ihr Besitz und hab und Gut wurde ihnen durch Repression und Boykott genommen. Am 22. Oktober 1940 wurden 11 jüdische Einwohner nach Gurs deportiert.

Der Jahrestag der Pogromnacht ist für uns Anlass, den Opfern des deutschen Faschismus zu gedenken.

6 Millionen Jüd:innen fielen der Shoa zum Opfer, schätzungsweise mehr als 250.000 Sinti und
Roma in Europa wurden im Zuge des Rassenwahns der deutschen Faschisten gedemütigt und ab 1940 in den Konzentrationslagern interniert und umgebracht. Im Interesse des deutschen Kapitals führte die Wehrmacht einen rücksichtslosen Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug. Schätzungsweise 80 Millionen Menschen bezahlten dafür mit ihrem Leben, davon alleine 27 Millionen SowjetbürgerI:innen. Und Europa lag in Trümmern.
Als essenziellen Baustein des Kampfes gegen den Faschismus betrachten wir das Etablieren einer Erinnerungskultur, denn nur, wenn wir Hintergründe und Zusammenhänge verstehen, sind wir dazu in der Lage, sinnvoll und wirkmächtig zu handeln.
Im Gedenken an die Ereignisse des 9.November 1938 wird es am 09.11.2021 ab 18 Uhr auf dem Latschariplatz einen antifaschistischen Infotisch geben, im Anschluss daran eine Gedenkkundgebung in der Gerberstraße.